In Würde von der Arbeit leben

Freiburg / Der Agrarkanton soll eine gesamtschweizerische Vorreiterrolle einnehmen.

BauernZeitung, 31.05.2019 – Josef Jungo

GRANGENEUVE «Die freiburgische Landwirtschaft hat sämtliche Trümpfe in der Hand, um sich den Herausforderungen der Zukunft stellen zu können und den Kanton zum Leader im Schweizer Nahrungsmittelsektor zu machen», führte Landwirtschaftsdirektor Didier Castella bei der Vorstellung des dritten Landwirtschaftsberichts am vergangenen Freitag aus.

Strategie für die Zukunft

Wie Didier Castelia sagte, stelle der über 80 Seiten umfassende Bericht nicht eine Bilanz dar, sondern der Staatsrat formuliere darin seine Strategie für die Zukunft der Landwirtschaft und zeige die Massnahmen für deren Umsetzung auf. Die Landwirtschaft sei ein wichtiger Sektor der Freiburger Wirtschaft, sagte er. Der Produktionswert der Landwirtschaft mit ihren 2840 Betrieben und 8470 Vollzeitstellen belaufe sich auf 740 Mio Franken.

Der Staatsrat wolle seinen Handlungsspielraum nutzen, um eine professionelle, produktive, nachhaltige sowie umweit- und tierfreundliche Landwirtschaft zu unterstützen, betonte Castella.

Grangeneuve attraktiver

Die kantonale Agrarpolitik stützt sich bei der Umsetzung der gesteckten Ziele auf sieben strategische Achsen:

Produktion und Wertschöpfungsketten: Die Schaffung eines günstigen Nährbodens für Innovationen ist ein effizientes Instrument, um die Wettbewerbsfähigkeit der freiburgischen Lebensmittelketten zu stärken. Die Innovation muss es diesem Sektor ermöglichen, leistungsfähiger zu sein, neue Märkte zu finden und die Bedürfnisse und Anforderungen der Konsumenten und der Bürger zu erfüllen. Vor allem muss sie es den Bauernfamilien erlauben, in Würde von ihrer Arbeit zu leben.

Forschung, Bildung und Beratung: Für Pascal Toffel, Direktor des Landwirtschaftlichen Instituts Grangeneuve, sind Bildung und Beratung wesentliche Faktoren des Kantons, mit denen die Fachpersonen der Landwirtschaft und des Lebensmittelsektors auf die aktuellen Herausforderungen, aber auch auf die Nutzung der neuen Instrumente 4.0 vorbereitet werden können.

Familienbetrieb und soziale Entwicklung: Das wirtschaftliche Umfeld und die gesellschaftliche Entwicklung üben einen starken Druck auf die landwirtschaftlichen Familienbetriebe und die Gesundheit der Landwirte und Bäuerinnen aus, sagte Pascal Toffel. Im Rahmen der Strategie zur Gesundheitsprävention «Perspektiven 2030» möchte der Kanton die Arbeit der Landwirte honorieren, die Bindung zwischen Produzent und Konsument festigen und die berufliche Solidarität fördern.

Natürliche Ressourcen: Die natürlichen Ressourcen – Luft, Wasser, Boden und Biodiversität – sind die Grundlage für die ganze land- und nahrungswirtschaftliche Produktion. Unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit ist es wesentlich, die Auswirkungen der landwirtschaftlichen Produktion auf diese Ressourcen zu minimieren. Um neue, ressourcenschonende Produktionstechniken zu entwickeln, unterstützt der Kanton Pilotprojekte in sensiblen Bereichen, beispielsweise für einen besseren Umgang mit Dünger und Pflanzenschutzmitteln oder die Reduktion der den Tieren verabreichten Antibiotika.

Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit: Die Lebensmittelsicherheit und der Tierschutz sind öffentliche Aufträge, die mit der Begleitung des Lebensmittelsektors einhergehen, betonte Dienstchef Pascal Krayenbuhl vom Amt für Landwirtschaft.

Fachwissen und Produktionswerkzeuge: Die Förderung von Investitionen in leistungsfähige, moderne und vernetzte Produktionsmittel ist ein wichtiges Instrument des Staates. Moderne Betriebsgebäude und Produktions- und Verarbeitungsanlagen ermöglichten es, die Wertschöpfungsketten aufzuwerten und das Know-how zu beleben. Mit Labels sollen Terroir-Produkte gefördert werden.

Direktzahlungen: Der Kanton ist für die Verwaltung der eidgenössischen Agrarpolitik im Bereich Direktzahlungen verantwortlich. Zur Verfügung stehen pro Jahr 192 Mio Franken Direktzahlungen und 39 Mio Franken kantonale Mittel.

Unterstützung in Krisen

Für Direktor Pascal Toffel ist es wichtig, dass Personen, welche mit Bauernfamilien in Kontakt stehen, über Kompetenzen für soziale Unterstützung verfügen. Für Landwirtschaftsbetriebe in Krisensituationen (Scheidung, Krankheit usw.) stehe ein Unterstützungsstab zur Verfügung, ebenso können finanzielle Betriebshilfen gewährt werden, sagte er. Als weitere Massnahme sei der Aufbau eines Netzes von «Wächtern» vorgesehen, das Krisensituationen auf Landwirtschaftsbetrieben erkennen soll, damit Hilfe organisiert werden könne, fo.

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