Eine Investition für mehr Forschung

Freiburger Nachrichten, 12. November 2020 – Urs Haenni

Für 54 Millionen Franken soll das Laborgebäude der Forschungsanstalt Agroscope in Posieux erweitert werden. Der Kanton baut das Gebäude, der Bund zahlt es zurück. Vorgesehen ist auch ein Stellenausbau.

Auf diesem Grundstück sollen bald wieder Profile für das neue Agroscope-Gebäude stehen. Bild Aldo eiiena UrsHaenni POSIEUX 2017 standen bereits einmal Profile für den Bau eines neuen Gebäudes der Forschungsanstalt Agroscope in Posieux. Diese verschwanden wieder, als die eidgenössischen Behörden ihre Bedürfnisse überprüften und ein neues Konzept ausarbeiteten. Nun dürften die Bauprofile in Posieux in Kürze wieder aufgestellt werden: Ein überarbeitetes Projekt soll nächstes Jahr in Angriff genommen werden. Gestern hat der Freiburger Staatsrat das angepasste Projekt an einer Medienkonferenz in Grangeneuve vorgestellt und angekündigt, dem Grossen Rat einen zusätzlichen Verpflichtungskredit in der Höhe von 54,4 Millionen Franken zu unterbreiten.

«Nicht alle Kredite bereiten dem Staatsrat gleich viel Freude. Dieser hier ist aber äusserst erfreulich», sagte Landwirtschaftsdirektor Didier Castella (FDP). Total 124 Millionen Franken Der Zusatzkredit von 54,4 Millionen Franken gesellt sich zu einem Studienkredit von 4,2 Millionen Franken aus dem Jahr 2013 und einem ersten Verpflichtungskredit über 65,8 Millionen Franken von 2015. Insgesamt wird das neue Forschungsgebäude also 124 Millionen Franken kosten. Dazu kommen 8,5 Millionen Franken zulasten des Bundes.

Weder zum Gesamtkredit noch zum Zusatzkredit ist eine Volksabstimmung nötig. Der Kanton Freiburg baut zwar das Gebäude, er überlässt es aber als Vermieter dem Bund über 25 Jahre im Nutzungsrecht, und in dieser Zeit soll die Investition mit einer Bruttorendite von 4,3 Prozent vollumfänglich zurückbezahlt sein. Dann wird es in den Besitz des Bundes übergehen. Freude bereitet das Projekt aber auch, weil Agroscope 450 bis 480 Mitarbeiter in Posieux beschäftigen wird. Derzeit sind es 130 Mitarbeitende, nach dem ersten Projekt sollten weitere 170 dazukommen, und die jetzige Erweiterung sieht noch einmal gegen 190 Stellen vor.

Zusammen mit dem Landwirtschaftlichen Institut Grangeneuve dürften bis in das Jahr 2030 rund 1000 Personen auf dem Standort Posieux arbeiten. «Es erlaubt Freiburg, sich noch stärker als nationaler Leader im Lebensmittelsektor zu etablieren», so Castella. Nationales Konzept steht Gemäss Raumplanungs- und Baudirektor Jean-Francois Steiert (SP) fiel der Startschuss für das revidierte Projekte im November 2018, als der Bundesrat entschied, in Posieux einen Forschungscampus einzurichten und in Changins und Reckenholz zwei regionale Hubs. Dazu kommen zehn bis fünfzehn Versuchsstationen in der ganzen Schweiz, unter anderem ein Kompetenzzentrum für Rohmilch in Posieux. Im ersten Projekt hätte nur der Standort Liebefeld-Köniz nach Posieux ziehen sollen.

«Inhaltlich war das Projekt nie umstritten», sagte Agroscope-Direktorin Eva Reinhard gestern. «Es waren vielmehr die drohenden Verluste, welche die einzelnen Regionen fürchteten. Sie haben jetzt aber die Garantie, dass alle Landesteile in die Forschung einbezogen werden.» «Mit dem Projekt in Posieux machen wir einen riesigen Schritt in die Zukunft», so Reinhard. «Es ist das Herzstück von Workspace 4.0. Dieses neue Gebäude wird alles ermöglichen. Es erlaubt einen Sprung bezüglich Effizienz.» Als Beispiel erwähnte die Direktorin 70 Millionen Franken Mietkosten, die Agroscope in Zukunft einspart. Dieses Geld könne nun in Forschungsstellen investiert werden.

«Indem der Kanton Freiburg den grünen Teppich ausrollt, werden wir grösser, erfolgreicher und internationaler.» Der künftige Campus von Agroscope in Posieux wird drei Sektoren umfassen. Das derzeitige Gebäude wird in Zukunft die gesamte Verwaltung umfassen. Und es gibt die bestehenden Betriebsgebäude, die ebenfalls an die neuen Bedürfnisse angepasst werden. Beide werden vom Bund baulich angepasst.

Der Kanton Freiburg wird hingegen ein neues Gebäude auf einer Grundfläche von rund 40 auf 70 Metern erstellen, das nun mit der Erweiterung noch zusätzliche Laborräumlichkeiten erhalten wird. Die Fläche für Labors und technische Räume soll gegenüber bisher um 70 Prozent auf 7700 Quadratmeter erweitert werden. Es wird mit der neuesten Technologie der Lebensmittelindustrie versehen sein. Spatenstich im nächsten Jahr Beim Zusatzkredit von 54,4 Millionen Franken macht alleine das Ersetzen der Verwaltungsflächen und der Terrasse durch Labors rund 31 Millionen Franken aus. 7,5 Millionen Franken sind für technische Räume, den Serverraum und Klimakammern bestimmt.

Zusätzlich sind 16,2 Millionen für Nichtvorhergesehenes eingeplant. Die öffentliche Auflage, Baubewilligung und Vorbereitungsarbeiten sollen noch nächstes Jahr erfolgen. Die Übergabe der Gebäude vom Kanton an den Bund ist für Dezember 2024 vorgesehen.

Chronologie

10 Jahre von der Idee bis zum Beschluss

Die ersten Verhandlungen zwischen dem Kanton Freiburg und dem Bund zur Konzentration der Aktivitäten von Agroscope in Posieux fanden 2008 statt. Im November 2011 wurde entschieden, die Aktivitäten von Liebefeld nach Posieux zu verlegen. Im März 2013 sprach der Grosse Rat einen Studienkredit und am 18. März 2015 einen Verpflichtungskredit von 66 Millionen Franken. Im Sommer 2017 kündigte der Bund eine neue Analyse für mögliche Optimierungen und Synergien an. Im Februar 2018 empfahl die eidgenössische Finanzkontrolle, die Bedürfnisse auf nationaler Ebene zu prüfen. Dies dauerte knapp ein halbes Jahr. Im November 2018 beschloss der Bundesrat, einen zentralen Forschungscampus in Posieux einzurichten, uh.

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